150 Jahre Firmengeschichte

Freiburger Unternehmen schreibt mit innovativen Pumpenlösungen Technikgeschichte

Mit kostbarem Traubensaft fing alles an: Im Jahr 1866 entwickelte Wilhelm Lederle in Endingen am Kaiserstuhl die erste Handweinpumpe. Aus der von ihm gegründeten „Mechanischen Werkstätte“ gingen unter verschiedenen Firmierungen zahlreiche weitere, wegweisende Pumpenmodelle hervor. 150 Jahre später kann das Unternehmen, das inzwischen unter dem Namen „HERMETIC-Pumpen GmbH“ zu den weltweit führenden Herstellern dichtungsloser Pumpen zählt, auf eine erfolgreiche Firmengeschichte zurückblicken, die ebenso ein Stück deutsche Technikgeschichte ist. Auch heute dreht sich für HERMETIC alles um das Fördern wertvoller, kritischer und gefährlicher Flüssigkeiten mittels Pumpen – konstruiert nach dem hermetischen Prinzip und auf dem neuesten Stand der Technik. Auf dem Weg vom Ein-Mann-Betrieb zum weltweit tätigen Vorreiter in der Pumpentechnologie lagen zahlreiche Meilensteine, die das Unternehmen noch immer prägen.


Maßgeblich für den bis heute andauernden Erfolg des Unternehmens war die Fähigkeit des Firmengründers Wilhelm Lederle, Bedarfe zu erkennen und auf diese mit technischen Innovationen zu reagieren. Bereits mit seiner ersten Erfindung stellte der damals 22-Jährige seine Unternehmerpersönlichkeit unter Beweis. Aus einem Weinbaugebiet stammend, hatte er erkannt, dass spezielle Pumpen die Weinpflege, die Ab-und Umfüllung deutlich erleichtern könnten. Da diese zum damaligen Zeitpunkt noch nicht existierten, entwickelte er in seiner „Mechanischen Werkstätte“ in Endingen am Kaiserstuhl eine Handweinpumpe, die genau auf diesen speziellen Anwendungsbereich ausgerichtet war. Mit Erfindungsreichtum reagierte er auf eine Herausforderung, die er in seinem Alltag erkannt hatte. Die Handweinpumpe erwies sich als so großer Erfolg, dass Lederle sieben Jahre später ein Grundstück am Rande Freiburgs erwerben konnte, um dort mehrere Werkstätten und ein Wohnhaus zu errichten.


Pionier Lederle: Entwicklung verschiedener Verbrennungsmotoren zeitgleich mit Daimler und Benz

Der junge Unternehmer sprudelte vor Ideen und Tüftlerenergie. So befasste er sich parallel zur Vergrößerung seiner Werkstätten auch mit der Entwicklung und Fertigung von Kolbenpumpen, rotierenden Verdrängerpumpen, Vakuumpumpen und Kompressoren. Das damalige imposante Wachstum des Stahl- und Chemiesektors bot den wenigen Produzenten von Pumpen ideale Voraussetzungen, neue Ideen umzusetzen. Ein bedeutender Meilenstein der Technikgeschichte eröffnete auch Wilhelm Lederle neue ungeahnte Möglichkeiten: die Erfindung des Verbrennungsmotors. So durften sich zu den Pionieren der Entwicklung nicht nur Daimler und Benz zählen. Auch Lederle nutzte die neuen Möglichkeiten und widmete sich dem Bau von Benzin-, Diesel- und Generatorgasmotoren. Sein Engagement zahlte sich aus: 17 Medaillen und Ehrenpreise aus dieser Zeit würdigen den Erfindergeist Lederles. Im Oktober 1899 wurde ihm das Patent DRP 118035 erteilt, mit dem er entscheidend zur „Steuerung für Explosionskraftmaschinen" beitrug. Diese setzte er bereits in einem von ihm entwickelten Zweizylindermotor ein.


Um dem zusätzlichen Schwerpunkt seines Unternehmens Rechnung zu tragen, benannte Lederle seine „Mechanische Werkstätte“ 1899 um. Sie firmierte fortan als “LEDERLE Pumpen-und Motorenfabrik”. In seinem „neuen“ Betrieb fertigte er Personenwagen, Omnibusse und Motorwagen-Feuerspritzen. Für die Fahrzeuge erkannte Lederle sogleich eine praktische Einsatzmöglichkeit: Er richtete eine der ersten nachgewiesenen „Kraftomnibusverbindungen“ ein und machte damit das Leben in der Region nicht nur komfortabler, sondern sicherte sich auch ein weiteres Mal einen Platz in den Technikgeschichtsbüchern. Als kurz vor der Jahrhundertwende der Elektromotor zur industriellen Anwendung kam, bewies sich Lederle erneut als Ideengeber. Mit der Entwicklung von Kreiselpumpen gehörte er zu den Pionieren auf dem Gebiet der hydrodynamischen Arbeitsmaschinen.


1906: Moritz Lederle übernimmt das Unternehmen von seinem Vater

1906 verstarb der ideenreiche Firmengründer. Fortan leitete Moritz Lederle – mit 22 Jahren noch ebenso jung wie sein Vater Wilhelm bei der Firmengründung – die Geschicke des Unternehmens. Er entschied sich für die Einstellung der Automobilsparte und konzentrierte sich wieder ausschließlich auf den Bau verschiedener Pumpen höchster Qualität. Lederle baute das Kreiselpumpen-, Kolbenpumpen und Kreiskolbenpumpengeschäft aus. Zudem ließ er die ersten kommunalen Wasserversorgungsanlagen errichten. Dem Aufstieg des Unternehmens, das nun “Pumpen- und Maschinenfabrik LEDERLE” hieß, setzte der Ausbruch des 1. Weltkriegs ein zwischenzeitliches Ende. LEDERLE wurde in die Rüstungsproduktion einbezogen. Der Maschinenpark wurde durch die extrem hohen Produktionszahlen stark beansprucht. Erst in den „Goldenen Zwanzigern“ waren neue Investitionen möglich.


Hermann Krämer, Konstrukteur und Entwickler der wellendichtungslosen leckagefreien Spaltrohrmotorpumpe

Als Moritz Lederle 1934 starb, übernahm seine Frau Hedwig die Führung in der Firma. Unterstützt wurde sie von einem langjährigen Mitarbeiter, der später für die Entwicklung des für das Familienunternehmen wichtigsten Produktes verantwortlich zeichnen sollte: Hermann Krämer. Der junge, einfallsreiche Ingenieur leitete ab 1945 als Geschäftsführer und Mitinhaber die Geschicke der Firma LEDERLE und der später zu gründenden weiteren Unternehmen. Durch ihn wurden neue technische Ideen im Lieferprogramm verwirklicht, die sich in zahlreichen Patenten widerspiegeln.


Im November 1944 verhinderten glückliche Umstände in Verbindung mit dem Einsatz der Mitarbeiter die Zerstörung der Werksanlagen von LEDERLE beim Bombenangriff auf Freiburg. Bereits wenige Tage später konnte die Produktion von Pumpen wieder aufgenommen werden. Hiervon profitierte auch die örtliche Bevölkerung, die unter der Zerstörung der kommunalen und betrieblichen Wasserversorgungsanlagen stark gelitten hatte. LEDERLE baute damals mit Hochdruck vor allem Wasserwerke für Städte, Gemeinden und gewerbliche Betriebe. Mit der Konstruktion moderner wirtschaftlicher Kreisel- und rotierender Verdrängerpumpen gelang dem Unternehmen zudem der Neueinstieg in den Exportmarkt.


1954 leistete Geschäftsführer Krämer seinen wahrscheinlich wichtigsten Beitrag zum Erfolg des Unternehmens mit der richtungsweisenden Entwicklung einer völlig neuartigen Pumpengeneration: Die innovative wellendichtungslose Spaltrohrmotorpumpe war ein entscheidender Schritt hin zum ökonomischen und ökologischen Betrieb von Pumpen. Mit Weitsicht erkannte der Ingenieur den Bedarf vor allem der chemischen und verwandter Industrien an leckagefreien Pumpen. Also entwickelte Krämer auf Basis des hermetischen Prinzips eine Pumpe, die dem Sicherheitsbedürfnis dieser Industrien entgegen kam und gleichzeitig zum Erhalt einer gesunden und lebenswerten Umwelt beitragen sollte. Zudem konnten mit diesen neuartigen Arbeitsmaschinen verfahrenstechnische Prozesse in Angriff genommen werden, die bisher nicht durchführbar gewesen waren.


1967: Entwicklung von leckagefreien Pumpen mit permanentmagnetischer Kupplung

Mit seiner Entwicklung hatte Krämer einen Nerv getroffen. Die Nachfrage nach den neuen, hermetischen Pumpen war so groß, dass Maschinenkapazitäten und Räumlichkeiten bald erweitert werden mussten, um die Nachfrage bedienen zu können. Um ausreichend Platz für die Produktion zu schaffen, zog die als “Guss- und Stahlveredelung” 1956 ausgegründete Werkstoffveredelungsgesellschaft unter der neuen Firmenbezeichnung “HERMETIC-Pumpen GmbH” 1967 in die Peripherie von Freiburg nach Gundelfingen.


1973 wurde ein weiteres Tochterunternehmen, die vom Stammwerk abgezweigte “LEDERLE GmbH, Wasserversorgung und Abwasser”, in Gundelfingen angesiedelt. Sechs Jahre später konnte das Unternehmen einen neuen Erfolg für sich verbuchen: die Entwicklung einer dichtungslosen Pumpe mit Magnetantrieb, die durch die „HERMETIC-Pumpen GmbH“ vertrieben wurde. Im darauffolgenden Jahr wurde schließlich auch das Mutterunternehmen „LEDERLE GmbH Pumpen- und Maschinenfabrik“ von Freiburg auf das gemeinsame Gelände mit ausreichender Ausbaumöglichkeit in Gundelfingen verlegt.


Aus 2 wird 1: Zusammenschluss von LEDERLE und HERMETIC 

Während die “LEDERLE GmbH, Wasserversorgung und Abwasser” 2006 insolvent ging, mündete die enge Verbindung des Traditionsunternehmens „LEDERLE GmbH Pumpen- und Maschinenfabrik“ mit der „HERMETIC-Pumpen GmbH“ im Jahr 2007 schließlich im Zusammenschluss zur „HERMETIC-Pumpen GmbH“. Sämtliche Mitarbeiter wurden übernommen. Die Hauptbetätigungsfelder des nun vereinten Unternehmens sind auch heute die Rohstoffversorgung der chemischen Industrie durch die Förderung der entsprechenden Rohstoffe und Zwischenprodukte sowie die industrielle Kältetechnik. Die Produkte des in Europa führenden Herstellers dichtungsloser Pumpen werden hauptsächlich ausgehend von den individuellen Problemstellungen seiner Kunden entwickelt. Massenware von der Stange war für HERMETIC nie eine Option. Zu den bedeutendsten Meilensteine im neuen Jahrtausend zählten für HERMETIC 2015 der Bau der weltweit größten Spaltrohrmotorpumpe für überkritisches Ethylen mit dem eindrucksvollen Gewicht von 20 Tonnen und einer Höhe von sechs Metern. Dank des hermetischen Konstruktionsprinzips ist der größtmögliche Schutz von Mensch und Umwelt auch bei diesen Rekordmodellen gewährleistet. Um die insgesamt steigende Nachfrage zu bewältigen, baut das Unternehmen in den vergangenen Jahren seine Produktionskapazitäten aus, verschiedene Unternehmensbereiche wie die Neupumpen- und Wellenproduktion werden neu organisiert. Mit den kontinuierlichen Restrukturierungen sichert sich das Unternehmen seine Konkurrenzfähigkeit.


HERMETIC: Einen Schritt voraus! Derzeit rüstet sich HERMETIC mit dem Projekt „Wachstum“ für eine erfolgreiche Zukunft. Produktionsabläufe werden optimiert, Shopfloormanagement sowie die Lean Production werden eingeführt. Zudem befindet sich seit 2015 eine neue Werkshalle im Bau. Hier spielt das Thema Nachhaltigkeit eine besondere Rolle, da sich das Unternehmen dem Umweltschutzgedanken nicht nur durch seine hermetisch dichten Pumpen verpflichtet sieht, sondern diesen auch mit bspw. entsprechend energiesparender Beleuchtung oder Dämmung umsetzt. Für seine Bemühungen um den Umweltschutz erhielt HERMETIC 2014 die Zertifizierung im Bereich Umweltmanagement nach DIN ISO 14001.


Das Traditionsunternehmen HERMETIC mit seinen weltweit rund 740 Mitarbeitern, 20 Vertriebsniederlassungen, 11 Servicecentern und 75 Vertretungen geht also mit der Zeit und wird sich auch in Zukunft als Ideengeber in der Pumpentechnologie positionieren: mit kundenspezifischen Pumpenlösungen, neuen Managementansätzen und mit Innovationen, die aus Tradition hervorgehen. Damit auch weiterhin gilt: HERMETIC. Einen Schritt voraus!